#285 Der eine Zukunfts­skill, den du im Urlaub trai­nierst – ohne es zu merken

Ich war gera­de auf Mal­ta. In einem Hotel vol­ler Men­schen aus Bra­si­li­en, Chi­le, Nepal, Indi­en, den Phil­ip­pi­nen, Ita­li­en. Ein bun­ter Mix aus Kul­tu­ren, Spra­chen, Lebensgeschichten.
Am Abend kom­me ich mit einer Ita­lie­ne­rin ins Gespräch. Sie sagt einen Satz, der hän­gen bleibt: „Wo lernt man schon so vie­le inter­na­tio­na­le Men­schen ken­nen? Jetzt habe ich zwei bra­si­lia­ni­sche Freundinnen.”
Und genau die­ser Satz hat mich zum Nach­den­ken gebracht und mich an mei­ne Zeit als Au-pair in Kali­for­ni­en erin­nert. Genau das habe ich damals auch erlebt.

Es geht nicht um den Ort. Es geht um die Begegnung.
Du reist oft, um abzu­schal­ten. Um raus aus dem All­tag zu kom­men. Aber das eigent­li­che Geschenk des Rei­sens liegt woan­ders: in der Begeg­nung mit Men­schen, die anders leben, anders den­ken, anders auf­ge­wach­sen sind als du und ich.
Urlaub ist einer der weni­gen Momen­te, in denen du dei­ne Gren­zen frei­wil­lig ver­lässt. Du tust es aus Lust auf etwas Neu­es, nicht aus Zwang. Das macht ihn so wert­voll – gera­de jetzt.

Der eine Zukunftsskill
Vor zwei Jah­ren war ich auf einer Kon­fe­renz in den USA. Dort habe ich John Sanei, einen Zukunfts­for­scher und Neu­ro­psy­cho­lo­gen, gefragt: Wel­che drei Zukunfts­skills brau­chen wir aus dei­ner Sicht?
Sei­ne Ant­wort hat mich über­rascht: „Nicht drei. Eine: Anpassungsfähigkeit.”
Eine Fähig­keit, kei­ne Lis­te. Und wenn ich mir anschaue, was gera­de auf uns zukommt – wirt­schaft­lich, gesell­schaft­lich, tech­no­lo­gisch – dann ver­ste­he ich, warum.
Anpas­sungs­fä­hig­keit lernst du aber nicht am Schreib­tisch. Du lernst sie dort, wo du aus dem Gewohn­ten raus­ge­wor­fen wirst. In einer frem­den Kul­tur. Im Gespräch mit jeman­dem, des­sen Per­spek­ti­ve kom­plett anders ist als dei­ne eigene.
Wie schon oben erwähnt, habe ich das selbst als jun­ge Frau in den USA erlebt. Wahr­schein­lich eins mei­ner größ­ten Geschen­ke die­ser Zeit. Damals noch ohne Han­dy, ohne Inter­net, ohne Whats­App. Nur Brief­post. Man wird ganz schnell ins Hier und Jetzt gewor­fen. Und das ist gut so. Es macht das Erleb­te umso intensiver.

Mein Vor­schlag für dei­nen Urlaub
Du musst dafür nicht extra irgend­wo­hin flie­gen. Aber wenn du sowie­so unter­wegs bist:

Such das Gespräch. Mit Men­schen, die anders leben als du. Frag nach, wie es ihnen geht, was sie erle­ben, was ihr All­tag ist.

Schreib auf, was dir begeg­net. Die guten Momen­te, die klei­nen Beob­ach­tun­gen. Bevor sie dir durch die Fin­ger flutschen.

Bleib neu­gie­rig. Auf das Land, die Men­schen, die Kul­tur, in der du gera­de bist.

Das ist Zukunfts­ar­beit im Klei­nen. Kein Semi­nar, kein Work­shop – ein­fach die Bereit­schaft, dich auf etwas Frem­des einzulassen.

Zuver­sicht statt Abschottung
Was mich auf Mal­ta beson­ders zuver­sicht­lich gestimmt hat: Es funk­tio­niert. Ver­schie­de­ne Kul­tu­ren, ver­schie­de­ne Spra­chen, ver­schie­de­ne Hin­ter­grün­de – und trotz­dem ein fried­li­ches, freund­li­ches Miteinander.
Genau die­se Zuver­sicht wün­sche ich mir für uns. Für die Gesell­schaft, für die Welt. Je mehr du selbst unter­wegs bist und sol­che Erleb­nis­se hast, umso tole­ran­ter wirst du im Kopf. Und umso anpassungsfähiger.
Ich glau­be: Du kommst berei­chert und gestärkt aus sol­chen Begeg­nun­gen zurück. Immer.
In die­sem Sin­ne – guten Urlaub. Und bleib neugierig.

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