Ich war gerade auf Malta. In einem Hotel voller Menschen aus Brasilien, Chile, Nepal, Indien, den Philippinen, Italien. Ein bunter Mix aus Kulturen, Sprachen, Lebensgeschichten.
Am Abend komme ich mit einer Italienerin ins Gespräch. Sie sagt einen Satz, der hängen bleibt: „Wo lernt man schon so viele internationale Menschen kennen? Jetzt habe ich zwei brasilianische Freundinnen.”
Und genau dieser Satz hat mich zum Nachdenken gebracht und mich an meine Zeit als Au-pair in Kalifornien erinnert. Genau das habe ich damals auch erlebt.
Es geht nicht um den Ort. Es geht um die Begegnung.
Du reist oft, um abzuschalten. Um raus aus dem Alltag zu kommen. Aber das eigentliche Geschenk des Reisens liegt woanders: in der Begegnung mit Menschen, die anders leben, anders denken, anders aufgewachsen sind als du und ich.
Urlaub ist einer der wenigen Momente, in denen du deine Grenzen freiwillig verlässt. Du tust es aus Lust auf etwas Neues, nicht aus Zwang. Das macht ihn so wertvoll – gerade jetzt.
Der eine Zukunftsskill
Vor zwei Jahren war ich auf einer Konferenz in den USA. Dort habe ich John Sanei, einen Zukunftsforscher und Neuropsychologen, gefragt: Welche drei Zukunftsskills brauchen wir aus deiner Sicht?
Seine Antwort hat mich überrascht: „Nicht drei. Eine: Anpassungsfähigkeit.”
Eine Fähigkeit, keine Liste. Und wenn ich mir anschaue, was gerade auf uns zukommt – wirtschaftlich, gesellschaftlich, technologisch – dann verstehe ich, warum.
Anpassungsfähigkeit lernst du aber nicht am Schreibtisch. Du lernst sie dort, wo du aus dem Gewohnten rausgeworfen wirst. In einer fremden Kultur. Im Gespräch mit jemandem, dessen Perspektive komplett anders ist als deine eigene.
Wie schon oben erwähnt, habe ich das selbst als junge Frau in den USA erlebt. Wahrscheinlich eins meiner größten Geschenke dieser Zeit. Damals noch ohne Handy, ohne Internet, ohne WhatsApp. Nur Briefpost. Man wird ganz schnell ins Hier und Jetzt geworfen. Und das ist gut so. Es macht das Erlebte umso intensiver.
Mein Vorschlag für deinen Urlaub
Du musst dafür nicht extra irgendwohin fliegen. Aber wenn du sowieso unterwegs bist:
Such das Gespräch. Mit Menschen, die anders leben als du. Frag nach, wie es ihnen geht, was sie erleben, was ihr Alltag ist.
Schreib auf, was dir begegnet. Die guten Momente, die kleinen Beobachtungen. Bevor sie dir durch die Finger flutschen.
Bleib neugierig. Auf das Land, die Menschen, die Kultur, in der du gerade bist.
Das ist Zukunftsarbeit im Kleinen. Kein Seminar, kein Workshop – einfach die Bereitschaft, dich auf etwas Fremdes einzulassen.
Zuversicht statt Abschottung
Was mich auf Malta besonders zuversichtlich gestimmt hat: Es funktioniert. Verschiedene Kulturen, verschiedene Sprachen, verschiedene Hintergründe – und trotzdem ein friedliches, freundliches Miteinander.
Genau diese Zuversicht wünsche ich mir für uns. Für die Gesellschaft, für die Welt. Je mehr du selbst unterwegs bist und solche Erlebnisse hast, umso toleranter wirst du im Kopf. Und umso anpassungsfähiger.
Ich glaube: Du kommst bereichert und gestärkt aus solchen Begegnungen zurück. Immer.
In diesem Sinne – guten Urlaub. Und bleib neugierig.
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